Mit Unvollkommenheit spielen - Unvollkommenheit in der Musik als grundlegende Dimension in Darbietung und Komposition

Márcio Steuernagel, Komposition

Betreuer*innen und Berater*innen

Germán Toro-Peréz (Zürcher Hochschule der Künste), Kathrin Eggers (Kunstuniversität Graz), José María Sánchez-Verdú (Conservatorio Superior de Música de Aragón), Friederike Wißmann (Technische Universität Dresden).

Abstract

Meine Forschung untersucht die Unvollkommenheit in der Musik aus einer doppelten Perspektive: als Dirigent und als Komponist, die Unvollkommenheit ins Zentrum der musikalischen Darbietung und Schöpfung zu bringen – „komponieren und darbieten mit“ anstatt von „komponieren und darbieten trotz“ Unvollkommenheit. Um dies zu erreichen, schlage ich eine multimodale Untersuchung der Unvollkommenheit in der Musik vor, die sich auf Schöpfung, Darbietung und Forschung sowie deren Schnittmengen konzentriert, eingeteilt in nebeneinanderliegende Kategorien und Verfahren, um ein transmodales Netz um ein von Natur aus rhizomatisches Thema zu weben. So gehe ich über mehrere Teilprojekte oder Methoden auf die Unvollkommenheit in der Musik als Komponist, Dirigent und Darbietender ein. Diese experimentellen Verfahren werden kontinuierlich diskutiert und von einem theoretischen Bezugsrahmen umfasst, der die Forschung in mehreren Bereichen der Geisteswissenschaften und der Künste einschließlich des bestehenden Repertoires beinhaltet. Indem ich Abweichungen, Misserfolge und Veränderungen notiere und diskutiere, die im Zyklus zwischen Konzeption, Notation, Darbietung und Erfüllung stattfinden, will ich mir dieser Beugungen und Brechungen bewusst werden, um besser zu verstehen, wie Unvollkommenheit alle Phasen der musikalischen Schöpfung verändert, und schließlich ihre Rolle in der Schöpfung und Darbietung zu intensivieren und zu vertiefen. Ich erwarte, durch die Beschäftigung mit dieser Vorgang konkrete künstlerische Ergebnisse zu erlangen, die in Aufführungen und neuen Kompositionen zum Ausdruck kommen, sowie theoretisches Wissen als Beitrag zu den wissenschaftlichen Gesprächen, die das Thema umgeben.

Vita

Márcio Steuernagel (1982) ist ein brasilianischer Komponist und Dirigent. Er erhielt seinen Master in Musik und seinen Bachelor an der Bundesuniversität von Paraná (UFPR, Brasilien). Außerdem hat er einen Abschluss mit Komposition und Dirigieren als Doppelhauptfach von der Hochschule für Musik und Bildende Künste der staatlichen Universität von Paraná (EMBAP/UNESPAR, Brasilien). Steuernagel ist der Hauptdirigent des Orquestra Filarmônica da Universidade Federal do Paraná, Professor für Komposition und Dirigieren an der Hochschule für Musik und Bildende Künste der staatlichen Universität von Paraná, Dirigent des Ensemble Móbile und Direktor der Bienal Música Hoje als Mitglied des Ensemble entreCompositores. Er erhielt zahlreiche Preise als Komponist (Michel Debost Nationaler Preis, 2005; Funarte Preis, 2007; Funarte Klassischer Kompositionpreis, 2010). Seine Werke wurden bereits von Ensembles wie dem Platypus Ensemble (Wien) und von mehreren Orchestern in Brasilien aufgeführt, wie dem Orquestra Sinfônica do Paraná, Camerata Antiqua de Curitiba und Orquestra Filarmônica da Universidade Federal do Paraná. Er war bereits Dirigent im Orquestra Sinfônica do Paraná, wo er von 2011 bis 2013 als Assistent des Dirigenten tätig war. Des Weiteren war er Dirigent von Orchestern wie dem Orquestra Filarmônica de Minas Gerais, Orquestra Sinfônica do Teatro Nacional Claudio Santoro, Çukurova Devlet Senfoni Orkestrasi (Türkei), und Orquestra de Câmara da Cidade de Curitiba. Steuernagel hat bereits viele Premieren dirigiert, einschließlich der brasilianischen Premiere von György Ligeti’s Ramifications (2015) und der amerikanischen Premiere von Salvatore Sciarrino’s L’ideale lucente e le pagine rubate (2017).

Photocredits: Felipe Scandelari